Kino-Tatort: Baller! Kitsch! Puff! Päng!

Endlich habe ich den Tatort „Tschiller: Off Duty“ auf Kino-karätiger Leinwand gesehen! Endlich? Oder leider? Mit zwei Freundinnen umrahmt, hatte ich bei dem Baller-Kitsch-Puff-Päng-Krimi Spaß. Was gibt es Besseres, als sich gemeinsam über unglaubwürdige Szenen eines Schweiger-Tatorts lustig zu machen? „Tschiller: Off Duty“ hat einige davon zu bieten: von einer Rettungsaktion aus dem türkischen Knast, bis hin zur Rettung Tschillers Tochter auf eigene Faust. Medizinische Wunder gibt es allerhand.

(Trailer: www.film.info/tschilleroffduty/)

Der acht-Millionen teure Kinofilm ist die Fortsetzung der im Januar gezeigten Fernseh-Tatorte „Der große Schmerz“ und „Fegefeuer“. Der alteingesessene Tatort-Fan wird vielleicht die typische Tatortmusik vermissen, aber die würde so gar nicht zu dem actiongeladenen Schweiger-Film passen.

Tschiller, gespielt von Til Schweiger, reist als Kommissar „Off Duty“ – also außer Dienst, in die Städte Istanbul und Moskau, um seine entführte Tochter Lenny zu finden. Diese ist noch minderjährig und hatte sich ohne sein Wissen auf den Weg nach Istanbul gemacht, um dort den Tot ihrer Mutter an Firat Astan zu rächen.

Es beginnt mit Tschiller, der an einem Abend seine Tochter vermisst, sich aber erst ernsthaft am nächsten Morgen auf die Suche nach ihr macht. Zufälligbekommt er am selben Tag einen Flug nach Istanbul und fliegt hin. Als er Lenny nicht finden kann, geht er mit einer Türkin ins Bett, obwohl er immer noch um seine getötete Frau trauert.

Yalcin muss Tschiller eine Spritze ins Herz rammen

Es dauert nicht lange bis Tschiller bei seinem gefährlichen Streifzug durch Istanbul verhaftet wird. Im türkischen Knast lässt er sich von seinem fetten Zellengenossen richtig eins aufs Maul hauen. Als ihm das nicht zu seiner Flucht verhilft, unterstützt ihn sein Freund und Kommissar Yalcin Gümer, gespielt von Fahri Yardım. Dieser schmuggelt heimlich Tabletten-Kapseln mit ins Gefängnis. Als Tschiller diese Giftmischung nimmt, wird er bewusstlos und im Krankenwagen bleibt sein Herz stehen. Auch eine die junge Frau, die im sechsten Semester Medizin studiert, befindet sich absurderweise im Krankenwagen, der als Fluchtwagen herhält. Als sie zu schwache Nerven hat, um ihrem Patienten die Adrenalinspritze ins Herz zu rammen, macht Tschillers Kollege Yalcin das. Kurzerhand ist Tschiller wieder quicklebendig und es kann Minuten später weiter auf große Gangster-Jagd gehen.

Am absurdesten wird es, als Tschiller eine Geisel nimmt, dutzenden Polizisten den Rücken zudreht und diese nicht schießen. Ein Schmunzeln beim Zuschauer, ob des lächerlichen Kasperletheaters. 

Was ist die grausamste Tat?

Dass Tschiller seine eigene Tochter widerwillig aufschlitzen muss, ist wohl der grausamste Akt des Films, bei dem man nur weggucken kann. Die grausamste Tat? Moment. Also es gibt da noch den Mann, der neben einem Auto hergeschliffen und erschossen wird und einen Anderen, der einem Mähdrescher zum Opfer fällt.

Schweigers neuer Tatort ist sehr vorhersehbar – man ahnt beispielsweise schnell, wer die Frau ist, die die blonde Perücke bei einer glamourösen Party trägt. Dann kommt noch eine Ladung Kitsch “on top”. Romanze eins: Tschiller und eine Türkin, Romanze zwei: Yalcin und eine Prostituierte.

Kurzum: in Schweigers Tatort jagt – wie gewöhnlich – ein Massaker das nächste. Einer Gänsehaut folgt die Nächste und dennoch ist der Film einer, der Spaß macht, wenn man ihn nicht zu ernst nimmt. Die Tatort-Kommissare Tschiller und Yalcin lassen wie gewohnt trockene und schmutzige Witze vom Stapel und kommen sich unwahrscheinlich nahe …

Baller! Kitsch! Puff! Päng! – „Tschiller – Off Duty“ ist wohl der merkwürdigste Schweiger-Tatort.

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„Tschiller – Off Duty“ kommt am Samstag, den 20. Februar, um 22.15 Uhr im Frankfurter Kino.