„Bunter Mischmasch“

35 Studenten aus acht Nationen leben und studieren im „fforst“/ Am Mittwochabend sind zwei Hardcorebands zu Gast

Mit dem „verbuendungshaus fforst“ gibt es in Frankfurt ein einzigartiges Projekt: „ein internationales Studentenwohnheim, selbstorganisiert, an der deutsch-polnischen Grenze“ – so steht es in der Broschüre. Hier, in der Forststraße 3 und 4 wohnen 35 Viadrinastudenten aus aller Welt in Wohngemeinschaften (WGs) zusammen.

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Das verbuendungshaus fforst in der Forststraße 3/ 4 sollten viele Frankfurter von außen kennen. StadtLandFFluss.de hat sich hinein gewagt! ;)

Das Wappentier „Zirsch“ – eine Mischung aus Zebra und Hirsch – spiegelt die internationale Mischung der Bewohner wider. „Jede WG soll möglichst nach Herkunftsländern gemischt sein. Insgesamt leben hier acht verschiedene Nationalitäten unter einem Dach: aus Weißrussland, Kroatien, Deutschland, Polen, Indien, Rumänien, Russland und der Ukraine“, zählt Markus Braun auf. Er ist erster Vorsitzender des Vereins „verbuendungshaus fforst“. Bevor der 37-jährige Student im Herbst 2014 ins „fforst“ kam, wie die Studenten das Haus nennen, hatte er drei Jahre in Słubice gewohnt. „Ich hatte einfach mal Lust auf etwas Neues. – auf mehr Leben um mich herum.“ Das doppelte „F“ im Namen des Hauses sei eine Anlehnung an das Frankfurter Autokennzeichen„FF“.

Auch ein paar nicht-studentische Altmieter wohnen noch immer in dem 1988 erbauten Haus, das seitdem nicht renoviert wurde. Für den Erhalt des Hauses sind die Bewohner selbst zuständig. Dafür organisieren sich die Studenten im Haus. Sie zahlen je nach Raumgröße eine Miete zwischen 90 und 150 Euro pro Monat an den Verein „verbeundungshaus fforst“. Dennoch decke die Miete nur Betriebskosten, sagt Markus. Die Wohnungswirtschaft Frankfurt (Oder) GmbH ist zwar der Vermieter, aber erhalte kein Geld, so BorisTöppe, Geschäftsführer der Wowi. Er hält eine Sanierung zukünftig für nötig: „Die derzeit geschätzten Sanierungs- und Modernisierungskosten belaufen sich auf rund 800.000 Euro. Fforst und Wowi arbeiten an einem Stufenplan zur Modernisierung, um bei gleichzeitiger Beteiligung der ‚Fförster‘ die Kosten zu beschränken und damit real handhabbar zu gestalten.Ein erstes Ergebnis kann  noch in diesem Jahr vereinbart werden.“ Die „Fförster“ müssten die seit 2006 anfallenden Instandhaltungskosten selbst tragen.

Tischtennisspielen in der Eventetage mit Markus (hinten links) und Charlotte (vorne rechts).
Tischtennisspielen in der Eventetage mit Markus (hinten links) und Charlotte (vorne rechts).

Deswegen engagieren sich die Studenten in je einem „Ressort“. Jedes Ressort, sei es das PR-, Technik, Putz- und Einkaufs- oder das Zukunftsressort, hat eine eigene Arbeitsgruppe. Diese trifft sich regelmäßig, um sich zu organisieren und Probleme anzusprechen. So hat jeder Student einen Auftrag: einkaufen, sauber machen oder den Kontakt zu ehemaligen Studenten aufrechterhalten. Jeden Montagabend kommen alle Ressorts zusammen: „Diese Zeit nutzen wir, um von unseren Arbeitsgruppen zu berichten.“, weiß Rabea K. (26). Sie ist BWL-Studentin im 4. Semester des Masters und im Zukunftsressort „fforstschritt“, in dem sich die Studenten unter anderem mit Töppe beraten, wie man das Haus sanieren kann.

In der sogenannten Eventetage im Erdgeschoss des Hauses, wo sonst die Versammlungen der verschiedenen Ressorts, Semestereröffnungspartys oder Kickertuniere stattfinden, gibt es Bar und Küche. Der riesige Kühlschrank in der Küche enthält wenige Lebensmittel, dafür umso mehr Bierflaschen. „Bei großen Partys geht auch was weg.“, erklärt Rabea: „Was bei uns der Renner ist, sind internationale Abende, hauptsächlich die Polnischen, wo wir Snacks aus Polen und polnisches Bier verkaufen und vielleicht noch einen polnischen DJ einladen.

Veranstaltungen in der Großen Scharrnstrasse: vom verbuendungshaus fforst nur ein paar Gehminuten entfernt.
Veranstaltungen in der Großen Scharrnstrasse: vom verbuendungshaus fforst nur ein paar Gehminuten entfernt.

Am diesem Mittwochabend sind alle Frankfurter eingeladen, hier der Frankfurter Band „Väterchen Frust“ und der Warschauer Band „Government Flu“, die auf D-Beat und Hardcore spezialisiert sind, von 18 bis 22 Uhr zuzuhören. Der Eintritt beträgt zwischen drei und fünf Euro.

An jedem Donnerstag des Semesters, ab 18 Uhr, ist ‚offene Tür‘ und dann kann auch jeder Frankfurter vorbeikommen.“, teilt Rabea mit. Dienstags steht meistens ein Filmabend auf dem Programm. Dafür gibt es in der Eventetage einen Raum, der abgedunkelt werden kann. Statt einem locker-leichten Film zur Nacht, haben die Studenten an einem Abend die gesellschaftskritische Dokumentation „Home“ in Englischer Sprache ausgewählt, die bildgewaltig den Raubbau des Menschen an Mutter Natur zeigt.

Charlotte und Markus genießen ihr Leben im "fforst"
Charlotte und Markus genießen ihr Leben im “fforst”

„Wir sprechen viel Englisch hier und Polnisch spielt eine große Rolle.“, erzählt Charlotte Ciesielski (24), eine Mitbewohnerin von Rabea: Viele könnten schon Deutsch, wenn sie aus dem Ausland hierher kämen. „Es ist ein bunter Mischmasch“.

Um Bewohner des „fforsts“ zu werden, müsse man eine Bewerbung schreiben und Fragen wie: „Kannst du dir vorstellen den größten Teil deiner Freizeit in Frankfurt (Oder) und Słubice zu verbringen?“, beantworten, weiß Rabea. Ihre Bewerbung hatte Erfolg.

Rabea studiert in ihrer "fforst"-Wohnung
Rabea studiert in ihrer “fforst”-Wohnung

Sie lebt in einer WG, im vierten und letzten Stock des Gebäudes, mit Charlotte und der polnischen Studentin Ania zusammen. Jede von ihnen hat ein eigenes, selbstgestaltetes Zimmer. Rabeas Zimmer hat sie in Gelb gestrichen und ihr Bett liegt erhöht auf vier Getränkekisten. Bad und Küche werden von den Studentinnen gemeinsam genutzt. Von Rabeas Balkon, wo sie Melisse und Minze im Topf gepflanzt hat, kann sie die Friedenskirche und die Oder sehen.

Diese Nähe nutzt Rabea mit ihren Freunden: „Wir picknicken hier oft an der Oder und dann hat man ja nach Słubice fast nur Natur vor sich.“ Nach dem Studium wolle sie noch eine Weile im „fforst“ bleiben, um ihr selbstgestaltetes Zimmer noch länger genießen zu können.

Kontakt unter: www.fforst.net/ oder facebook.com/fforst